Sehr geehrte Frau Taffertshofer,
Liebes Lehrerkollegium der Josef-Zerhoch-Grundschule,


die aktuelle Lage zwingt uns alle in immer neue Situationen hinein. Jeder Bundesbürger ist in
verschiedenster Hinsicht mehr oder minder stark betroffen, arrangiert sich leichter oder schwerer
mit all dem, was seit über einem Jahr in unserem Land passiert.


Wir als Eltern befinden uns ja in der Situation, dass wir nicht nur Verantwortung für uns selbst
tragen, sondern eben auch für unsere Kinder. Für uns ist die Situation sehr belastend und bisher
haben wir versucht, all die Maßnahmen der Regierung mitzutragen und unseren Kindern die
Situation so gut es geht zu erklären und sie zu begleiten, was zunehmend schwierig wird.
Wahrscheinlich geht es Ihnen ähnlich, auch Sie tragen Verantwortung für die vielen Kinder, die zum
Lernen in Ihre Obhut gegeben werden.


Mit der Testpflicht ist eine neue Stufe der Belastung erreicht, die uns Eltern nun dazu veranlasst,
diesen Brief an Sie zu richten, nicht um die Schule zu kritisieren, sondern um ins Gespräch
zukommen. Denn wir – Direktorin, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schüler – sitzen im gleichen
Boot.
Viele Fragen werden durch die Vorgaben des Kultusministeriums aufgeworfen und viel Unruhe
entsteht, daher unsere Überlegung, ob es nicht möglich wäre, an der ein oder anderen Stelle durch
einen Dialog Lösungen vor Ort finden zu können, die zumindest eine Erleichterung für alle
Beteiligten bringen könnten.


Inzwischen ist hier eine Situation entstanden, die einerseits die Lehrerinnen, Lehrer und Eltern sehr
verunsichert hinsichtlich der tatsächlichen Gefahr und andrerseits der Schulfamilie Belastungen
aufgebürdet hat, die einen normalen und für unsere Kinder effektiven Schulbetrieb nahezu
unmöglich machen.


Uns Eltern wird immer mehr die Erstverantwortung für unsere Kinder ungefragt entzogen und
Ihnen als Lehrern werden wiederum Aufgaben zugeteilt, für die Sie nicht ausgebildet wurden und es
wird Ihnen -ungefragt- Verantwortung auferlegt, die eindeutig über Ihren Bildungs- und
Erziehungsauftrag hinausgeht:
Sie sollen medizinische Tests durchführen und dokumentieren, dabei können Sie aufgrund der
Testsituation einen Schutz der besonders sensiblen Daten (Gesundheitsinformationen fallen unter
diese Kategorie) nicht gewährleisten.
Sie sollen die psychischen Auswirkungen, die bei den Kindern im Verlaufe der Tests (v.a. im Falle
eines positiven Tests) auftreten könnten, auffangen. (Stichwort: Mobbing, Diffamierung)
Und ganz nebenbei sollen Sie noch unterrichten.
Eigentlich sollen Sie im Sinne des Bildungs- und Erziehungsauftrag doch dazu beitragen, dass sich
unsere Kinder ihrer Stärken bewusst werden können und gesunde vernünftige Erwachsene werden,
die sich in der Gesellschaft sozial verhalten können.


Aus den vorgenannten Gründen kann man gut ersehen, dass das in der momentanen Situation kaum
möglich ist.


Daher möchten wir Ihnen und allen Lehrerinnen und Lehrern den Rücken stärken. Dass Sie
plötzlich Aufgaben erfüllen sollen, die sonst in die Zuständigkeit von medizinisch ausgebildetem
Personal fallen, oder in den Berufszweig der Psychologie, halten wir für eine Zumutung, um es
vorsichtig auszudrücken.
Wie sollen Sie diese Verantwortung tragen, dass den Kindern kein Schaden zugefügt wird?
Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund jetzt gut für Sie zu wissen, dass es Eltern gibt, die hinter
Ihnen stehen und mit Ihnen zusammen das beste für die Kinder -nein: für die ganze Schulfamilie
erreichen möchten.
Und vielleicht ist es auch gut für Sie zu wissen, dass es Eltern gibt, die sich nicht nur an die Schule
wenden, sondern auch an die übergeordneten Stellen schreiben, um darauf aufmerksam zumachen,
wie sich die ganzen Maßnahmen vor Ort darstellen und vor welche Probleme die Schulfamilie
gestellt wird.


Gerade vor diesem Hintergrund möchten wir nochmal betonen, dass die momentane Situation nicht
alternativlos ist und dass wir bereit stehen, zusammen Wege zu finden, um den für unsere Kinder
sehr schädlichen Zustand und die sicher oft belastende Situation für die Lehrerinnen und Lehrer zu
ändern.


Lassen Sie uns zusammenstehen zum Wohl unserer Kinder!
Gerne würden wir ins Gespräch kommen, um auszuloten, wo es vielleicht alternative Lösungen
geben könnte und wo wir konkret unterstützen könnten.
Wir bedanken uns herzlich für die Berücksichtigung unseres Anliegens und hoffen auf Ihre
Unterstützung.


Mit freundlichen Grüßen

 

Der Elternbeirat